Scheinkognat

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„Aber es mußte einmal an einigen Beispielen aus verschiedenen Gebieten gezeigt werden, ein wie neckisches Spiel der unbezweifelbare Zufall im sprachlichen Leben treibt.“

— Johannes Friedrich, 1952

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  • பெண் peṇ Frau
  • bean /bʲænˠ/ Frau
  • بَہَن [bɛ.ɦɛn] Schwester, Frau (als Anrede)
  • gosse Kind (Slang) vermutlich von älterem gonze "Junge (Slang)", von Italienisch gonzo "Einfaltspinsel, Trottel"
  • gosse Junge unbekannter Herkunft, möglicherweise von französisch garçon "Junge", norwegisch gut "Kerl, Typ" (mit Suffix -se), von goþer son "guter Sohn" oder norwegisch gosse "Eber"

Eine Entlehnung aus dem Französischen wäre naheliegend, allerdings ist das schwedische Wort bereits zwei Jahrhunderte früher im 16. Jahrhundert belegt.

  • כִּי dass, denn, weil gemeinsemitische Partikel, vgl. akkad. kī(ma) "wie, dass", ugarit. k
  • कि ki dass aus pers. که (ke), letztlich zum uidg. Interrogativ-/Relativstamm *kʷo-

Beide sind Konjunktionen, die einen Nebensatz einleiten, und klingen praktisch gleich — die Ähnlichkeit reicht also über den Klang hinaus bis in die Funktion. Verwandt sind sie trotzdem nicht: das hebräische kī ist semitisch, das hindische ki über das Persische ein Erbe von uidg. *kʷo- und damit eher mit lat. quod und dt. was zu verbinden. Nicht zu verwechseln mit hindi की (kī), dem femininen Genitivpostpositions- bzw. Perfektivform.

  • Koptisch Bohairisch
    ⲙⲉⲧⲥⲏⲓⲛⲓ metsēini Arzttum, Heilkunde Abstraktpräfix ⲙⲉⲧ- (sahid. ⲙⲛⲧ-) + ⲥⲏⲓⲛⲓ "Arzt", zu ägypt. swnw "Arzt"
  • medicine Medizin, Heilkunde über afrz. medecine aus lat. medicīna (ars) zu medicus "Arzt", zu uidg. *med- "ermessen, Maß nehmen"

Die Ähnlichkeit steckt nicht nur im Anklang, sondern auch in der Bildung: beide Wörter sind Ableitungen vom jeweiligen Wort für "Arzt" und bezeichnen dessen Kunst. Nur ist das koptische met- ein einheimisches Abstraktpräfix, während das lateinische -īna ein Zugehörigkeitssuffix ist — der Gleichklang von ⲙⲉⲧⲥ- und med- ist Zufall.

  • ⲟⲩⲟⲙⲥⲓⲣ ouomsir Hämorrhoiden(?)
  • بواسير bawāsīr Hämorrhoiden
  • Koptisch Bohairisch
    ϧⲉⲗⲗⲓⲃϣ xellibš Brustpanzer
  • χάλυψ khályps Stahl, gehärtetes Eisen
  • Stern, Koptische Grammatik

Die tatsächliche lateinische Kognate zu haben ist capiō.

Achtung — kein echter Scheinkognat: das Element brow ist mit pers. abrū tatsächlich urverwandt (PIE *bʰruH- ‚Braue‘, vgl. gr. ophrys, skt. bhrū-). Nur die Ähnlichkeit zum ganzen Kompositum eye-brow ist zufällig.

Mongolisch gegen semitisch — keine nachweisbare gemeinsame Herkunft.

Trotz der populären Volksetymologie keine Entlehnung: jap. arigatō < 有り難い arigatai ‚schwer zu haben, kostbar‘, port. obrigado < lat. obligare ‚verpflichten‘.

  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350
  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350
  • piffik Buffet pi+VVIK, eigentlich wörtlich etwa "Ort, Zeit, Gelegenheit" (so auch in älteren Wörterbüchern)
  • Buffet /byfeː/

Ein semantischer Einfluss durch das gleichlautende dänische Wort ist nicht auszuschließen.

  • catimini heimlich, verstohlen (en catimini)
  • كِتْمَان kitmān Verheimlichung, Geheimhaltung

Die Etymologie von catimini ist ungeklärt; eine (umstrittene) Herleitung führt es auf arab. كِتْمَان zurück, eine andere auf griech. katamēnia.

Tai-Kadai gegen germanisch (PIE *péh₂ur) — zufällige Ähnlichkeit.

  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350
  • khuluma sprechen, reden
  • كَلَام kalām Rede, Sprechen, Wort(e)
  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350
  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350

Austronesisch gegen romanisch (lat. manducare) — zufällige Ähnlichkeit.

Semitisch (Wurzel m-r-ʔ) gegen iranisch *martiya- (PIE *mer- ‚sterblich‘) — keine gemeinsame Herkunft.

  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350

Ob die Ähnlichkeit rein zufällig ist, ist unklar — eine gemeinsame bzw. entlehnte Herkunft wird diskutiert.

  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350
  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350
  • พระ phra Mönch, ehrwürdig (Anrede)
  • fra Ordensbruder (vor Namen, < frate)

Achtung — möglicherweise kein reiner Zufall: das Zahlwort ‚sechs‘ (semit. šidṯ-/šešš- gegen idg. sweḱs) gilt als mögliches altes Wanderwort zwischen indogermanischen und semitischen Sprachen.

  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350

Die Kognatschaft der Scheinkognaten wird insb. bezeugt durch pol. "rzeczpospolita" = lat. "rēs publica".

  • साल sāl Haus, Halle, Stelle gehört etymologisch zu "Halle"
  • Saal von urgermanisch *saliz/salą "Haus, Wohnung, Halle, Raum", wovon in zahlreiche romanische Sprachen entlehnt, vgl. spanisch sala "Raum, Saal"
  • ܡܰܚܬܬܴܐ maḥattā Hinabstieg
  • محطة maḥaṭṭah Haltestelle, Station
  • putu Loch
  • putzu Wasserloch (Loch in der Erde mit Quellwasser) Entlehnt aus gleichbedeutend spanisch pozo; Kognate zu deutsch Pfütze
  • saki Schwiegervater, Schwiegermutter
  • सखि sakhi Freund, Assistent, Schwippschwager etymologisch zusammengehörig mit "sozi-al".
  • puussiaq Tüte pooq+SSAQ+LIAQ "für den Gebrauch als Sack gemacht"
  • pose Tüte
  • pussi Tüte aus dem Schwedischen entlehnt

Wird von vielen per Volksetymologie für ein Lehnwort aus dem Dänischen gehalten.

  • ܒܪܺܟ̣ܬܴ̇ܐ brīḵtā gesegnete (f.)
  • benedicta gesegnete (f.)

Das Paar Persisch/Englisch ist ein bekanntes Handbuch-Beispiel für zufällige Ähnlichkeit.

  • Lyle Campbell, Historical Linguistics: An Introduction, 3rd edition, p. 350
  • Arabisch Sudanesisch
    بعشوم baʕšūm Fuchs < Bedscha
  • ⲃⲁϣⲟⲣ bašor Fuchs
  • co-itus Zusammengehen, Geschlechtsverkehr
  • κοῖτος koĩtos Schlaf, Geschlechtsverkehr

Leider Lehnwort — كُوب ist schon im Qurʾān belegt.

Parallele Diminutivbildungen: cut-let (Diminutiv zu cut) und Schnitz-el (Diminutiv zu Schnitz). Aber das englische cutlet kommt vom französischen côtelette < altfranzösisch coste < lateinisch costa — die Diminutivendung ist nicht parallel, sondern fällt nur zufällig zusammen.

  • Kurdisch Nordkurdisch
    ... da/de in, drin (Postposition)
  • -da/-de/-ta/-te in (Lokativ-Suffix)

Die ganze Kette ist etymologisch verbunden (alle aus lat. discus), aber Disko und Tisch wirken bei oberflächlicher Betrachtung wie unabhängige Bildungen.

  • Koptisch Bohairisch
    ⲉⲣⲙⲁⲛ erman Granatapfel
  • رُمّان rummān Granatapfel
  • ɡʌ̀ʌt Flussufer
  • घाट ghāṭ Anlegestelle, Flusstreppe

Vier völlig unverwandte Schriftsysteme — Kharoṣṭhī (Gandhari), Tibetisch, Koptisch, Arabisch — verwenden gleich aussehende Glyphen für einen h-Laut.

  • hin einige > [unbestimmter Artikel Plural]
  • ϩⲉⲛ hen [unbestimmter Artikel Plural] (ϩⲟⲉⲓⲛⲉ einige)
  • كحلي kuḥlī blau, kohl-farben
  • الكحول al-kuḥūl Alkohol
  • blau alkoholisiert

Das arabische kuḥlī (kohl, blau) und al-kuḥūl (Alkohol — Quelle des deutschen Wortes) sind etymologisch dieselbe Wurzel. Die Koinzidenz: im Deutschen heißt blau auch alkoholisiert.

  • Kurdisch Zazaki
    keyfê to howl o? Geht es dir gut? (wörtlich: Zustand dein gut ist?)
  • كيف الحال؟ kayfa l-ḥāl? wie geht es?

Das keyf-Wort ist im Arabischen ein Fragewort, im Zazaki bedeutet es 'Zustand' oder 'Befinden'.

  • كنية kunyah Teknonym, Beiname
  • 𐌺𐌿𐌽𐌹 kuni Geschlecht, Stamm

Einem arabischen Verb stehen zwei deutsche Verben gegenüber, die Anagramme voneinander sind.

Im Arabischen und Hebräischen koinzidiert Seemann und Salz in derselben Wurzel. Das Griechische trägt das Wortpaar in einem einzigen Wort. Das Sumerische ma-laḫ fügt sich verblüffend genau ein.

Zwei unabhängige Wege zum gleichen Lautbild: das indische maṅgala führte über das Sindhi und Kholosi zum Wort für 'Feuer'. Das türkische mangal dagegen geht über das arabische منقل (minqal, von der Wurzel NQL 'tragen') zurück und bezeichnete ursprünglich ein tragbares Kohlebecken. Beide Etymologien begegnen sich erst im modernen rumänischen mangal 'Kohle'.

  • Arabisch Damaskus
    يمخمخ y-maxmex konzentriert nachdenken
  • ⲙⲟⲕⲙⲉⲕ mokmek konzentriert nachdenken
  • doch doch (oft als [ndoch] gesprochen)
  • بلى balā doch (oft als [mbala] gesprochen)

Bei beiden Formen fällt auf, dass sie häufig mit einem vorangestellten Nasal gesprochen werden.

  • עֹולֵלֹות ʿōlēlōt Nachlese (von Weintrauben und Oliven)
  • ⲉⲗⲟⲟⲗⲉ eloole Weintraube

Sowohl im Altgriechischen als auch im Arabischen bilden nahe und Floß/Boot ein lautähnliches Paar — die Koinzidenz ist hier die Parallelität der internen Paare, nicht ein einzelnes Wortpaar.

  • seinen Senf dazugeben seine Meinung sagen
  • राय rāy Meinung < arab. رأي
  • राई rāī Senf < skt. राजिका

Das koptische šeuni wurde ins Arabische als šūna entlehnt. Das deutsche Scheune ist etymologisch unverbunden.

  • simba Löwe Proto-Bantu *ncímbá 'Wildkatze, Löwe'
  • सिंहः siṃhaḥ Löwe

Im Englischen slot vs. lock, im Deutschen Schloss vs. Loch — die gleichlautende Opposition wiederholt sich in beiden Sprachen mit vertauschten Bedeutungen (etwa: das, was offen ist, vs. das, was verschließt).

Wahrscheinlich ein Gefüge aus Lehnwörtern

  • युयुत्सु yuyutsu kampflustig
  • 柔術 jūjutsu Jujutsu (japanische Kampfkunst)